THE NOMAD 911 - KILIM PORSCHE PROJEKT - Wild Heart Free Soul

Rug Smuggler: Ein Kelim aus Mut im Porsche 911

Ein etwa 90 Jahre alter Kelim aus Mut wird Teil des Innenraums eines Porsche 911 von 1984. Rug Smuggler erzählt von der Herkunft des Gewebes, seiner Auswahl und den Herausforderungen seiner Verarbeitung.

Ein Porsche 911 aus dem Jahr 1984 und ein anatolischer Kelim. Über die Entscheidung, ein historisches Gewebe in einen neuen Zusammenhang zu bringen.

Der Porsche kam auf einem Abschleppwagen zu uns. Es war ein 911 G-Modell von 1984, ursprünglich aus Kalifornien importiert. Sein rubinroter Lack war von der Sonne stellenweise aufgehellt, das Interieur dunkelbraun. Das undichte Dach hatte im Innenraum Spuren hinterlassen; ein Teil der Ausstattung musste erneuert werden. Damit begann eine Restaurierung, die sich bald auch um eine Frage des Materials drehte.

Ich wollte einen anatolischen Kelim in den Innenraum integrieren. Für mich verbindet dieses Projekt zwei Orte, die meine Arbeit und meine Herkunft geprägt haben. Ich bin in der Region Stuttgart als Tochter türkischer Einwanderer aufgewachsen. Porsche war dort allgegenwärtig, ein eigener 911 aber lange kaum vorstellbar. Heute arbeite ich mit handgewebten Textilien aus Anatolien. In diesem Auto kommen diese beiden Teile meiner Geschichte zusammen.

 

Ein Gewebe für den Innenraum

Ein Kelim verhält sich anders als ein gewöhnlicher Bezugsstoff. Er hat Gewicht und Struktur; sein Muster wurde für eine Fläche gewebt, nicht für die Rundungen eines Sitzes entworfen. Für die Verarbeitung brauchten wir jemanden, der beides versteht: das Gewebe und die Anforderungen eines Autointerieurs.

Viele angefragte Sattler lehnten das Vorhaben ab. Schließlich übernahm eine Werkstatt in Berlin die Verarbeitung. Vor dem Zuschnitt mussten der Verlauf des Musters, die Materialstärke und die besonders beanspruchten Flächen berücksichtigt werden.

 

Warum ein Kelim aus Mut

Zunächst hatten wir einen Läufer aus Kars ausgewählt, datiert auf 1961. Größe und Farben passten zum Wagen; das Stück lag bereits für die Planung des Zuschnitts bereit. Ich entschied mich dennoch, weiterzusuchen. Der Kelim sollte in Material, Farbigkeit und Herkunft zu diesem Projekt passen.

Die Wahl fiel auf einen etwa 90 Jahre alten Kelim aus Mut, einer Region am südlichen Rand des Taurusgebirges nahe dem Sertavul-Pass. Meine väterliche Familie stammt aus dem benachbarten Karaman. Diese geografische Nähe gab dem Stück für mich eine persönliche Bedeutung.

Der Kelim ist aus Schafwolle und Ziegenhaar gewebt. Seine verblassten Rot-, Apricot- und Brauntöne stehen neben dem gealterten Lack und dem dunklen Leder des Porsche. Im Muster erscheint das Elibelinde-Motiv. Die unregelmäßigen Farbverläufe und die Spuren der Zeit gehören zu seiner Gestalt; sie sollten auch nach der Verarbeitung sichtbar bleiben.

Ein altes Gewebe zuzuschneiden ist eine weitreichende Entscheidung. Seine ursprüngliche Form lässt sich danach nicht wiederherstellen. Gerade deshalb war es wichtig, den Kelim bewusst auszuwählen und den Verlauf seines Musters vor dem Zuschnitt sorgfältig zu planen. Das Projekt trägt den Namen Rug Smuggler.

 

 

In der Werkstatt

Der Ausbau begann mit den Vorder- und Rücksitzen, dem Armaturenbrett und den Türverkleidungen. Leder und Kelim treffen dort an Kanten, Nähten und Rundungen aufeinander. Jede Fläche stellt andere Anforderungen an Zuschnitt und Verarbeitung.

Bei den letzten Arbeiten blieb auch die Wahl des Materials für den Fußraum offen. Ein schlichtes Gewebe aus Ziegenhaar wäre eine Möglichkeit. Sein Material erinnert an die schwarzen Ziegenhaarzelte Anatoliens und würde einen Bezug zum Kelim aus Mut herstellen.

Der 911 und der Kelim tragen beide sichtbare Spuren ihres Alters. Ihre Verbindung entstand aus der Arbeit mit einem konkreten Stück, seiner Beschaffenheit und den Entscheidungen, die seine Verarbeitung verlangt. In der Werkstatt beginnt für sie eine gemeinsame Geschichte.